Leibniz-Preis für Senckenberg-Paläoanthropologin

Foto UNIVERSITÄT TÜBINGEN/FRIEDHELM ALBRECHT

Katerina Harvati-Papatheodorou erhält den wichtigsten deutschen Forschungspreis.

11.12.2020 · Lebenswissenschaften · Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung · HP-Topnews · Menschen

Die Paläoanthropologin Katerina Harvati-Papatheodorou vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und der Eberhard Karls Universität Tübingen erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021 der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Der Leibniz-Preis gilt als wichtigster Forschungsförderpreis in Deutschland.

Für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse zur Evolution des Menschen und seiner nächsten Verwandten wird Katerina Harvati-Papatheodorou mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet. Die 50-jährige Paläoanthropologin forscht an der Leibniz-Einrichtung Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Dazu erklärt der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner:

„Ich gratuliere Katerina Harvati-Papatheodorou persönlich und im Namen der gesamten Leibniz-Gemeinschaft von Herzen zu dieser herausragenden Würdigung ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Die Paläoanthropologie ist unter verschiedenen Aspekten ein Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Nicht nur macht unsere evolutionäre Herkunft einen wichtigen Teil unseres kulturellen Selbstverständnisses aus, auch das genetische Erbe unserer frühen Vorfahren bestimmt bis heute viele Aspekte von Gesundheit und Ernährung. Mit der Förderung des Leibniz-Preises wird es Frau Harvati-Papatheodorou möglich sein, weitere Antworten auf die vielen offenen Fragen der Paläoanthropologie zu finden. Wir freuen uns sehr, eine so herausragende Wissenschaftlerin in der Leibniz-Gemeinschaft zu haben.“

Laut Begründung der Preisverleihung der DFG konnte Katerina Harvati-Papatheodorou mit einer Kombination aus Feldforschung und bildgebenden Techniken der 3D-Morphometrie wichtige neue Einsichten über die Abläufe der menschlichen Evolution gewinnen. So habe sie in ihren vielfältigen Forschungen zeigen können, dass auch Neandertaler ein weit entwickeltes Verhaltensrepertoire hatten, was die Vorstellung über den nächsten Verwandten des Menschen grundlegend revidiert habe. In der Feldforschung habe sie sich auf die bisher wenig erforschte Region Südosteuropas als Verbreitungsweg und eiszeitliches Rückzugsgebiet konzentriert. Mithilfe der von ihr entwickelten Methoden habe sie für Fossilfunde aus Griechenland nachweisen können, dass diese aus einer ersten Besiedlungswelle moderner Menschen (Homo sapiens) aus Afrika nach Europa vor 210.000 Jahren stammen und dass die Besiedlungsgeschichte wesentlich dynamischer war als vorher angenommen.

Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment

Das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) wurde ab Oktober 2009 an der Eberhard Karls Universität Tübingen aufgebaut und etabliert. Im Mai 2017 wurde das SHEP nach einem strengen Begutachtungsverfahren des Leibniz-Senates als Institut in die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung eingegliedert und damit Teil der Leibniz-Gemeinschaft. Das SHEP widmet sich der biologischen und kulturellen Evolution der Menschen in ihrer Umwelt. Die Forschung des SHEP geht von der Annahme aus, dass die biologische und auch die frühe kulturelle Evolution der Menschen und ihrer Vorfahren wesentlich von Änderungen der Paläoumwelt und des Paläoklimas beeinflusst wurden. Dabei spielte die kulturelle Evolution ab etwa 2,5 Millionen Jahren schrittweise eine zunehmende Rolle. Methoden wie genetische, isotopengeochemische, geologische und geochronologische Verfahren, Klima- und Umweltrekonstruktionen oder Analysen von archäologischen Artefakten werden genutzt, um die Wechselwirkungen zwischen menschlicher Biologie, Kultur und Umwelt zu untersuchen.

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Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021 der Deutschen Forschungsgemeinschaft geht an vier Wissenschaftlerinnen und sechs Wissenschaftler, die vom zuständigen Auswahlausschuss aus 131 Vorschlägen ausgewählt worden sind. Von den zehn Preisträgerinnen und Preisträgern kommen je zwei aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Naturwissenschaften und aus den Ingenieurwissenschaften sowie vier aus den Lebenswissenschaften. Die Ausgezeichneten erhalten für ihre zukünftigen Forschungsarbeiten jeweils ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. Die Leibniz-Preise 2021 werden am 15. März in einem virtuellen Rahmen verliehen.

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